Glückstagebuch – Klarstellung

Isarstausee, Bad Tölz, Deutschland


Damit kein falscher Eindruck entsteht, denke ich, dass es so langsam einer Klarstellung bedarf:

Mir ist bewusst, dass die Inanspruchnahme einer Kur heutzutage ein seltenes Privileg darstellt und leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das ist sehr bedauerlich, zumal ich persönlich den Erholungswert einer Kur für recht nachhaltig halte. Dummerweise klagen die Krankenkassen über leere Kassen. Ob diese Behauptung aber wirklich den Tatsachen entspricht, das wage ich zu bezweifeln. Ich vermute mehr, dass es am Willen der Verantwortlichen mangelt, den vorbeugenden sowie gesundheitsfördernden Nutzen einer Kur zu bejahen.

Dennoch: Ich möchte jeden ermutigen, eine Kur unbedingt in Anspruch zu nehmen, sofern die- oder derjenige hierzu die Gelegenheit erhält. Laßt diese Möglichkeit, diese possibility, nicht ungenutzt verstreichen. Ob nun für Körper, Geist oder Seele, der gesundheitliche Nutzen aktiver wie passiver Erholung ist von großem Wert.

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Bad Tölz, Dienstag, 30. Januar 2018

Glückstagebuch – Heilklima-Rundwanderweg 21


Am Freitagnachmittag wählte ich den Heilklima-Rundwanderweg 21, HK 21. Stolze 12,4 Kilometer galt es zu bezwingen.

Heilklima-Rundwanderweg HK 21
Heilklima-Rundwanderweg HK 21

Der Wanderweg startet in Bad Tölz. Nach der Überquerung der Isar führt dieser oberhalb des Isarstaudamms entlang nach Fischbach. Von dort geht es weiter über Lechan, Straß und Kiefersau zurück nach Bad Tölz. Ein wirklich großartiger Rundwanderweg.

Das Wetter war phantastisch. Die Sonne schien. Am Himmel zogen vereinzelte Wolken ihre Bahn. Die Luft war kühl und klar. Zunächst führte der bewaldete Weg auf einer Anhöhe entlang, angrenzend an weite Wiesen.

Isarstausee, Bad Tölz, Deutschland
Isarstausee, Bad Tölz, Deutschland

In Höhe des Stauwerks des Isarstaudamms überquerte ich, von ihrem Rauschen begleitet, die Isar. Ich stieg eine weitere Anhöhe zum Abberg hinauf und setzte meinen Weg fort über vereinzelt noch von Schnee bedeckten Wiesen.

Fischbach, Bad Tölz, Deutschland
Fischbach, Bad Tölz, Deutschland

In Fischbach fand ich nach einigem Suchen schließlich, etwas versteckt hinter der Dorfkirche, den Zugang zu dem Naturpfad. Dieser schmale, abgeschiedene Weg führte mich zunächst durch dichtes Unterholz, über kleine versteckte Wiesen in den Wald. Begegnete ich zuvor schon kaum einem Menschen, auf diesem Stück meines Weges ging ich ganz allein. Ich genoß die Ruhe und Abgeschiedenheit, das Alleinsein, mein Fürmichsein, das bei mir. Die zauberhafte Stille wurde einzig durchbrochen vom vereinzelten Knacken der Äste oder von zaghaftem Vogelgezwitscher, bis der Wald den Blick wieder freigab und ich über weite Felder und einige grüne Hügel auf die schneebedeckten Hänge der Alpen blickte. Der Ausblick war großartig.

Vom Lechen führte der Weg – wenig später wieder im Wald – durch einen absteigenden Hohlweg hinab, begleitet vom sagenhaften Rauschen des Peterbauernbachs, vorbei an moosbewachsenen Steinen und zum Teil umgestürzten, auf dem Waldboden liegenden Stämmen.

Peterbauernbach, Bad Tölz, Deutschland
Peterbauernbach, Bad Tölz, Deutschland

Der letzte Abschnitt der Wanderung schließlich führte über eine weitere Anhöhe mit wirklich schönen Ausblicken über die saftig grüne Landschaft bis hin zu den in der Ferne sich weit in den strahlend blauen Himmel auftürmenden Alpen. Ich durchquerte den dort mitten in der Natur angelegten Golfplatz und kehrte schließlich nach Bad Tölz zurück.

Bad Tölz, Deutschland
Bad Tölz, Deutschland

Trotz der Länge des Wanderweges hatte ich riesigen Spaß. Ich freute mich. Insgesamt benötigte ich für das Auf und Ab vier Stunden. Mein Zufriedenheitsfaktor war riesig.

Natürlich begleiteten mich während meiner Wanderung die verschiedensten Gedanken. Selbstverständlich dachte ich über Alltägliches nach: über die Kur, meinen mich – in Norderstedt wieder eingetroffen – erwartenden Alltag, die Arbeit. Schweifte ich mit meinen Gedanken weit ab, rief ich mich warnend zurück ins Hier und Jetzt. Ein für mich gewohnter Prozess. Eingelassen in die Natur schlich sich in mein Denken jedoch auch die Erinnerung an eine Zeit, während der ich mich etwas intensiver mit der Existenzphilosophie Martin Heideggers auseinander gesetzt hatte. Die Verbundenheit seiner Sprache, seiner Ontologie, mit der Natur lässt sich nicht leugnen. Ging ich die Wege, zu beiden Seiten eingefasst in weite Felder, grüßte mich hier und dort ein Wegkreuz. Mahnte den Wanderer, den Sinn der Zeit zu bedenken.

Wegkreuz, Bad Tölz, Deutschland
Wegkreuz, Bad Tölz, Deutschland

Begriffe wie Dasein, Insein, das In-der-Welt-Sein, die Geworfenheit, das In-die-Welt-Geworfen-Sein, das Zuhandende und Vorhandene, Sein und Gelassenheit, das Verborgende, zu Entbergende, das Wesen der Wahrheit, undundund … die (doppelte) Seinsvergessenheit, die Sorglosigkeit. Mich in dieser Sprache, in Begriffen dieser Art zu verlieren, sah ich keine Veranlassung, mich ins Hier und Jetzt zurückzurufen. In großartigen Momenten wie diesen überlasse ich mich gerne meiner Tagträumerei, lasse mich treiben, beseelt von dieser einzigartigen, allgemeinbesonderen Sprache, ins Dorthinaus, fasziniert von diesem einzigartigen Glück in der Welt zu sein.

goodparts: Freiheit, Lebensfreude, Progression, Zufriedenheit, Harmonie, Spiritualität, Selbstwert.

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Bad Tölz, Montag, 29. Januar 2018

Glückstagebuch – familyKur

Brauneck, Lengries, Deutschland


Stimmungsbarometer

moods: nach wie vor hervorragend.
goods: Kur, Freizeit, Erholung, Bewegung, schönes Wetter, Schnee, gutes Essen, Familie, nette Gesellschaft, gute Unterhaltung, Ausflüge, Kino.
goodparts: Freiheit, Geborgenheit, Kontakt, Lebensfreude, Progression, Zufriedenheit, Harmonie, Energiehaushalt, Motivation, Kreativität, Selbstwert.

Meine Frau und Tochter sind am Montag abgereist. Hinter uns liegen einige schöne gemeinsame Tage. Während ihres Besuchs hatte ich nicht die Absicht, viel Zeit mit dem Schreiben zu verbringen. Neben unseren gemeinsamen Aktivitäten und meinen täglichen Kuranwendungen mochte ich mir keinen unnötigen Stress bereiten (goodbad). Aus diesem Grund wartete ich mit der Veröffentlichung eines weiteren Beitrags.

Aktivitäten

Freitag: Pferdekutschenfahrt nach Wackersberg mit Einkehr im Gasthof Altwirt, Schwimmbad und Sauna, ein großartiger Tag.

Samstag: Ausflug ins etwa 10 km entfernte Lengries. Fahrt mit der Brauneck Bergbahn, einer Gondelbahn, hoch auf 1556 Meter. Von dort genossen wir im Sonnenschein einen wunderbaren Ausblick auf die Alpen. Wir aßen in dem Panoramarestaurant eine Kleinigkeit zu Mittag. Im Anschluss fuhren wir am Fuße des Berges etwas Schlitten.

Brauneck, Lengries, Deutschland
Brauneck, Lengries, Deutschland

Sonntag: Mit Bus und Bahn, der BOB, Ausflug zum Tegernsee. Das Wetter war zwar etwas bedeckt und die Sicht eingeschränkt, für einen ersten Eindruck des Ortes jedoch genügte es. Kaffee und Kuchen ließen wir uns schmecken.

Tegernsee, Deutschland
Tegernsee, Deutschland

Montag: Anwendungen am Morgen. Einkaufsbummel und Kaffeetrinken mit meiner Tochter am Nachmittag in der Innenstadt von Bad Tölz, während meine Frau an der geführten Wanderung zum Spielhahnjägerdenkmal teilnahm.

Dienstag: Rückengymnastik, Wassergymnastik, Zirkeltraining. Da ich gut beschäftigt war, blieb nicht viel Zeit für meine Familie.

Mittwoch: Ausflug nach München, Besuch im Deutschen Museum. Mittagessen, Spielwarenabteilung. Mehr war mit meiner Tochter nicht zu schaffen.

Deutsches Museum, München, Deutschland
Deutsches Museum, München, Deutschland

Glücklicherweise begann es zu schneien. Der Schneefall tauchte die Landschaft in fahle Grautöne. Ich hoffte auf einige schöne Winterfotos mit einem strahlend blauen Himmel.

Samstag: Schlittschuhlaufen im Eishockeystadion in Bad Tölz.

Sonntag: Schlittenfahren am Fuße des Blombergs. Mittag aßen wir beim Italiener. Wir spielten, malten und gingen abends schwimmen.

Montag: Abreise und Rückflug meiner Frau und meiner Tochter nach Hamburg. Ich schloss mich nachmittags einer Führung an im ca. 20 Kilometer entfernten Kloster Benediktbeuren.

Kloster Benediktbeuren, Deutschland
Kloster Benediktbeuren, Deutschland

Dienstag: Rückengymnastik, Wassergymnastik, Nordic Walking, Schwimmen, Sauna, Salzgrotte, Kinofilm “Drei Zinnen”.

Mittwoch: Entspannungsbad, Massage. Ausflug zum Walchensee. Das Wetter war göttlich. Kaiserwetter, wie man hier sagt. Der Spaziergang sowie die Gesellschaft fantastisch.

Walchensee, Deutschland
Walchensee, Deutschland

Mancher Meinung, manchem Unkenruf zum Trotz: Auch im Januar kann man es sich in Bayern wunderbar einrichten und großartige Tage haben. Dies zu zeigen, machte ich mir die Mühe, unsere und meine Aktivitäten mit wenigen Worten aufzulisten. Wir hatten es in der Hand: meine Frau, meine Tochter und ich. Wir hatten unsere Wünsche und Ziele. Diese setzten wir in die Tat um. Und auch die anderen Kurgäste blieben nicht untätig. Sie füllten ihre Zeit gemäß ihrer Wünsche, sorgten für goods and goodparts in ihrem Leben. Sie gingen gemeinsam wandern, tanzen, sie lachten viel, spielten Karten, fuhren Ski, genossen das Wetter und das gute Essen. Sie organisierten sich eine Brauereibesichtigung und fuhren sogar einen Tag zur Zugspitze hinauf. Eine großartige Truppe, die den Tag mit Sinn zu füllen weiß.

Nachdem meine Frau und Tochter abgereist waren, blieben mir noch eine gute Woche für meine individuellen Wünsche. Meine Ziele mochten also gut definiert sein, wollte ich in meinem Leben für Zufriedenheit sorgen, meinen Bedürfnissen nach Autonomie und Authentizität gerecht werden, nach Kohärenz, bis mich der Alltag wieder einholen und fest in seine Klauen schließen würde.

Meine Ziele, mein Glück im Kleinen:

Bewegung. Sport, Wandern, Schwimmen, Sauna, ggf. Joga, viel frische Luft, Unterhaltung. Kino, ein zweiter Ausflug nach München in die Alte Pinakothek …

Betrachte ich die Ziele, die Wünsche, bemerke ich, nicht das Glück im Großen zu verfolgen. Meine Zeit mit Sinn zu füllen, besteht nicht im Gelingen großer Ziele. Nein. Wie in der Vergangenheit bereits mehrfach festgestellt, sind es einzelne, kleine Wünsche, die in meinen Alltag für Zufriedenheit sorgen, die meine freie Zeit mit Freude füllen.

Sollte ich aus diesem Grund am Glück im Großen meine Zweifel haben?

Meine Entscheidung für eine Kur im Januar war richtig. Das überwiegend großartige Wetter, die Abwechslung, die Erholung, die Bereicherung, die Ausflüge und gemeinsamen Unternehmungen, die große Anzahl an Gutem (goods) und Gütern (goodparts) verwandelte den ansonsten trüben und tristen Monat Januar. Alle Übel (bads and badparts) weiß ich in weiter Ferne.

Rückblick: Den November bestimmten die Weihnachtsvorbereitungen, im Dezember genossen wir die Weihnachtszeit. Ich hatte Urlaub und fuhr im Januar zur Kur.

Ausblick: Nach dem Februar winkt der März, der Frühling. Beruflich erwartet mich in naher Zukunft zwar einige Arbeit. Im April stehen mit dem Wechsel in eine andere Verwendung große Veränderungen an. Bleibt die Hoffnung, auch weiterhin gut über den Winter zu kommen. Über Langeweile klage ich nicht.

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Bad Tölz, Freitag, 26. Januar 2018