Das urbane Wandern

Japanischer Garten, Wandelgarten, Planten un Blomen


Als ich in Hamburg lebte, gehörten regelmäßige Spaziergänge zu meinem Alltag. Ich lief die Elbe entlang vom Baumwall bis Teufelsbrück, bis Blankenese, und fuhr mit der S-Bahn zurück bis zum Bahnhof Stadthausbrücke. Ich durchquerte den Alten Botanischen Garten, die Wallanlagen, Planten un Blomen, den Jenischpark. Ich lief durch das Alstervorland oder erkundete die Hafencity. Ich behaupte, mich in der Innenstadt von Hamburg gut auszukennen. Ebenso kenne ich Altona, Eimsbüttel oder Winterhude, St. Pauli, St. Georg oder die Neustadt. Hamburg war meine Wahlheimat. Nicht ohne Grund nimmt die Perspektive meiner Romane Maß inmitten dieses urbanen Umfelds.
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Parsifal – ein Rückblick

Hamburgische Staatsoper


Der Sonntag am 28.04.2019 war ein glücklicher Tag. Mehr ein glücklicher Nachmittag oder Abend. Kein Wenn, kein Aber.

Auf dem Programm der Hamburgischen Staatsoper stand der Parsifal von Richard Wagner. Beginn: 17.00 Uhr, das Ende: ca. 22.00 Uhr. Drei Aufzüge, zwei Pausen, etwa vier Stunden Musik. Das weckt nicht bei jedem Glücksgefühle, bei einigen sogar Grauen, nachvollziehbar. Umso schwieriger mag es da für den ein oder anderen zu verstehen sein, dass ich mich nicht eine Minute langweilte. Schier unglaublich, aber wahr. Das hatte selbst ich nicht für möglich gehalten. Längen gibt es immer, Passagen, die sich ziehen. Die Musik aber war phantastisch, überwältigend. Die Inszenierung: modern, abstrakt, voll Bilder und Symbole, phantasievoll, gewagt, konsequent, textnah. Das Kosmische, das der Musik Wagners innewohnt, hatte ich in diesem Maße bisher nicht vernommen, wohl aber die Nähe zur symphonischen Musik Gustav Mahlers herausgehört. Das Bühnenbild unterstützte diesen Eindruck. Der Gesang war großartig, das Orchester phänomenal, der Dirigent am Pult: Kent Nagano, für die Stadt eine Bereicherung, für mich ein Segen. Eine großartige Vorstellung, ein wahrhaft phantastischer Abend. „Parsifal – ein Rückblick“ weiterlesen

Lob des Fatalismus – ein Buchtipp

Fatalismus


Der Autor Matthias Drobinski betont, mit seinem Buch keine Ratschläge erteilen zu wollen. Statt dessen schreibt er über die positive Wirkung des Fatalismus, der dem unablässigen Streben der Selbstoptimierung Grenzen setzt. Dass eine gewisse Portion Gelassenheit eine Unterstützung ist, zu einem Mehr an Toleranz zurückzufinden.

Lob des Fatalismus
Matthias Drobinski
Claudius Verlag, München 2018

www.eudämonis.de

Rhodos, Sonntag, 02. Juni 2019