Ausflug in Stille


Mein Blick in den Sternenhimmel ruft mich in die Welt zurück. Mein Verlieren in der Unendlichkeit weckt die Erinnerung. Das Weltatem wehende All gemahnt mich meiner Endlichkeit. 

Meine Sterblichkeit vor Augen werde ich mir meiner Einzigartigkeit gewahr, rufe ich mir ins Bewusstsein zurück, dem Leben mit Dankbarkeit zu begegnen, ermahne ich mich zu Bescheidenheit und Demut.

Allgemein anerkannte, althergebrachte unerschütterliche Grundsätze in Frage zu stellen, geschieht in Stille. Stille denkt die Welt neu.

Stille ist nicht Nichts. Stille weckt das Staunen, die Bewunderung für das, das da ist. Die brachliegende Weite ist Herberge des Sehnens, die Welt neu zu denken. 

Gleichschalterei versperrt den Zugang zur Toleranz. Vorurteile halten das Denken eng umschlungen. Das lärmend Getös bietet kaum Raum für Stille.

Anstatt die Unterschiedlichkeit zu schätzen, der Vielfalt mit Staunen zu begegnen, mangelt es zunehmend am Gespür für Individualität, Andersartigkeit, fürchten wir uns. 

Müssen wir von Neuem lernen zu unterscheiden? Und frage ich Wir, meine ich nicht eigentlich Ich?

Foto: Erwin Altmeier – www.erwinaltmeier.com

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Norderstedt, Freitag, 19. Juli 2019