Über das Glück – ein Unglück

 

Exkurs: ein Unglück

Heute zitiere ich eine Passage aus meinem Roman “Mondsee Philomela”, als die Protagonistin Johanna in den Räumen der Universität ihren Vater trifft, einen Professor für Kunstgeschichte.

Ich werde diesen Auszug nicht kommentieren. Ich meine, dass er ganz für sich spricht.

Zitat: Ich folgte ihm durch die kühlen Gänge, in die erste Etage des Instituts. Dort bat er mich, in seinem Arbeitszimmer vor seinem schweren großen Schreibtisch in einem Ledersessel Platz zu nehmen. Ich sah mich um. Die Regale reichten bis unter die Decke. Sie waren mit Büchern vollgestellt, mit Büsten, Krügen und Tellern aus der Antike. Auf dem Schreibtisch stapelten sich seine Notizen, Aufsätze, aufgeschlagene Bücher sowie die Hausarbeiten seiner Studenten. Als ich die Regale langsam abschritt und die Titel der Bücher überflog – Kunstgeschichte, die römische und griechische Geschichte, Herodot, griechische und römische Sagen, Politik und natürlich griechische Philosophie, Platon, Aristoteles –, zweifelte er: Was soll ich sagen? Du kannst sie alle lesen. Mit Eifer und Interesse. Mir hat das immer viel Freude bereitet. Viel lesen und eine Unmenge wissen. In schwierigen Momenten aber wirst du in ihren Schriften vergeblich nach einer Antwort suchen. Sobald der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen überwiegt, die Sinne betäubt und das Herz in Stücke bricht, wirst du sie vergeblich um Hilfe ersuchen, dein Leben mit neuem Sinn zu füllen.

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Norderstedt, Donnerstag, 26. Oktober 2017

Über das Glück – Lena van de Velde

Café Comunità

 

Exkurs: das Glück

Die Behauptung: Jeder Mensch kann zu jeder Zeit an jedem Ort glücklich sein, entpuppt sich als ein Windei. Mehr noch: Für meinen Geschmack schwingt in dieser Allgemeingültigkeit fürchterliche Dummheit, Ignoranz, Zynismus. Denn: Es gibt keine Regel ohne zumindest eine Ausnahme!

In diesem Zusammenhang greife ich auf eine Passage aus meinem Roman “Lena van de Velde” zurück. Nicht um für das Buch zu werben, sondern um auf den Umstand hinzuweisen, mich mit dem Thema Glück in der Vergangenheit bereits auseinandergesetzt zu haben.

Zitat: Der Mensch, das Individuum, erklärte uns mein Lehrer in Philosophie während der letzten Wochen in der Schule, verfügt im Rahmen seiner Möglichkeiten über die Freiheit der Wahl, sich mit Ja oder Nein für oder gegen etwas zu entscheiden. Er allein sieht sich imstande, die Verantwortung für sein Gelingen zu übernehmen. Ihr werdet Menschen begegnen, die von der Gabe ihrer Freiheit keinen Gebrauch machen werden, Menschen, die ihren Platz, ihre Nische nicht finden, Menschen, die überzeugt sein werden, gescheitert zu sein. Ihre Wünsche erfüllen sich nicht, ihre Erwartungen knüpfen sie an unzureichende Voraussetzungen. Der Blick nach Innen gebärt die Wende, die Kehre, sein Leben von Grund auf neu zu erfahren, die Entschlossenheit, eine weitere Richtung einzuschlagen und anderes von sich in sein Leben zu tragen. (…) Über welche Bedingungen aber, denke ich, verfügt der Einzelne tatsächlich, seine Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen?

Der Zynismus, der in der Erklärung dieses Lehrenden mitschwang, wurde mir erst in einem Gespräch mit Lena bewusst. Hätte er gesagt: Es gibt Menschen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten über die Freiheit der Wahl verfügen, könnte ich mit dieser Einschränkung heute überzeugter leben. Dass seine geäußerte Grundsätzlichkeit jedoch ausnahmslos auf alle Menschen anzuwenden ist, dem kann ich heute nicht mehr ohne Widerspruch zustimmen. Das Leben an sich erschöpft sich nicht in allgemeiner Gültigkeit. – „Ja“, stimmt Lena mir zu. „Ich kann mein Leben wählen. Du gewiss auch, stammen wir beide aus wohlhabenden Verhältnissen. Ich zumindest verfüge über phantastische Voraussetzungen, mich im Kaufhaus der unendlich vielen Möglichkeiten zu bedienen. Eine Entscheidung dürfte mir aus der Sicht Außenstehender nicht schwerfallen. Ganz so ist das aber nicht. – (…) Ich aber verspotte die Menschen nicht für ihr Scheitern, für ihre Unfähigkeit, ihr Leben wahrhaft zu wählen, mit Bedacht; ganz im Gegenteil: Ohne einen Halt irren sie ziellos durch die Leere. Misstrauen und Feindseligkeit trüben zeitweilig ihre Wahrnehmung. Der Welt abhanden, fühlen sie sich gleich einem Niemand, noch gelingt es dem Grübelnden nicht, seinem Leben einen Sinn abzugewinnen. Anstatt der Außergewöhnlichkeit und Offenheit mit Freude zu begegnen, verstrickt er sich auf der Suche nach einem Urgrund, der Erkenntnis einer ewig währenden Wahrheit. Wer aber gibt Antwort? Wer? Wo findet sich der Beginn, das Warum dem Schweigen zu übereignen? Der Grübelnde verläuft sich auf einen Abweg. Einer Antwort stehen neue Fragen ins Haus. Das ist das Fortschreiten, die Entwicklung. Anstatt diese Notwendigkeit jedoch zu akzeptieren, entreißt er das Problem dem Kreislauf der Wiederkehr und begibt sich auf den Irrweg der Allgemeingültigkeit. Der Anblick dieser Menschen macht mich betroffen, sehe ich diese hilflos ihrer Ohnmacht ausgeliefert, die tief unter ihnen klaffende Schlucht zu ihrem Seinkönnen nicht überwinden zu können.“

Sollte ich mich irren, schreibt mir! Widersprecht! Fasst das Glück in wenige Worte!

Ich bin gespannt.

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Norderstedt, Mittwoch, 25. Oktober 2017

Über das Glück – die Liebe

Rose

 

Exkurs: die Liebe

Das Glück im Ganzen. Wahrheit, Gerechtigkeit, das Gute … die Liebe. – Gelingt es, für all diese Begriffe je eine Formel zu finden?

In diesem Zusammenhang greife ich auf eine Passage aus meinem Roman “Mondsee Philomela” zurück, nämlich als Michael seine Lebensgefährtin Franziska fragt:

“Was kennzeichnet … die Liebe, die wir füreinander empfinden?“

Franziska denkt laut nach: „Lass mich mal überlegen. Moment. – Ich würde sagen, Freundschaft und Begehren, vom ersten Augenblick an. Meine Neugier, mein Interesse, aber auch meine Bewunderung und meine Wertschätzung für dich, für das, was du tust, und für das, was du willst, was du dir wünscht und was du von deinem Leben erwarten kannst. Deine aufrichtige Bescheidenheit, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Hinzu kommt unsere gemeinsame Vergangenheit, die Vielzahl an schönen Erinnerungen. Freude, Fröhlichkeit, Augenblicklichkeit. Ich liebe dich aufgrund der kleinen Aufmerksamkeiten, die du mir zuteil werden lässt. Wenn du am Morgen aufwachst und mich anlächelst, wenn du mir beim Anziehen zusiehst und ich immer noch deine Blicke auf meinem Körper spüre, als sähest du mich zum ersten Mal, als wolltest du mich sofort wieder ausziehen. Die Liebe, die ich dir zukommen lasse, erachtest du nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr als ein Geschenk, das ich dir täglich und immer wieder aufs Neue reiche. Nahezu jeden Tag bestätigst du mir in irgendeiner Weise, mich zu lieben, das empfinde ich als ganz wunderbar. Ich bin mir deiner Treue sicher, wie du mir vertrauen kannst. Ich fürchte nichts oder müsste mich ängstigen, dass du mich verletzen oder verlassen könntest. Ich schätze deine Offenheit, deine Zuverlässigkeit, natürlich schätze ich die kleinen Überraschungen und Geschenke. Was möchtest du hören? Liebe entwickelt sich. Der Alltag, die äußeren Umstände fordern die Liebe immer wieder aufs Neue heraus. Zu lieben bedeutet ebenso, dem Partner die ein oder andere Last abzunehmen, ihm zuzuhören, sofern dieser Kummer hat, oder ihn vom Druck seiner Sorgen zu befreien, ihn zu pflegen, sofern er krank ist. Zu lieben bedeutet für mich auch verzeihen zu können, die Versöhnung, obwohl wir uns gestritten hatten.“ – Mir schwindelt der Kopf, lausche ich den Worten, die Franziska nach einem kurzen Nachdenken aus ihrer Tasche zaubert und vor mir auf einem Tisch ausbreitet. – „Liebe ist vielseitig, facettenreich, Liebe und Glück sind Ereignisse, die man nicht mit Hilfe weniger Worte zusammenzufassen sind. Bei der Liebe handelt es sich um einen Oberbegriff. Hinter diesem verbirgt sich ein äußerst kompliziertes Geflecht vieler verschiedener Gefühle, Eigenschaften, die aufeinandertreffen und ineinander verwoben eine Gemeinsamkeit anstreben. Ich liebe unsere enge Zusammengehörigkeit, wie ich die Unabhängigkeit liebe, die Gleichberechtigung und den Mangel an Macht innerhalb unserer Beziehung, die Ausgewogenheit. Habe ich etwas vergessen?“ (…) “Ich blicke auf das Hier und Heute. Ein schöner Tag mit Liebe gefüllt, das ist für mich erstrebenswert.“

Wie die Liebe denke ich mir das Glück nicht magisch, nicht unerreichbar.

Manche Menschen erklären die Liebe zu einem heiligen Akt. Etwa, indem sie sich schwer tun, ihrem Partner ihre Liebe zu erklären, die Gefühle, die sie füreinander empfinden. Manche Menschen hingegen beschweren sich nicht, sagt man ihnen jeden Tag, sie zu lieben. Ganz im Gegenteil: Diese wenigen Worte, die gegenseitige Bestätigung, die beiderseitige Resonanz sorgt für ein beständiges Glücksempfinden in der Seele und trägt bei zu einem glücklichen Leben.

Eine Freundin erklärte mir einmal: Eine gut funktionierende Beziehung sei viel „Arbeit”. Ein glückliches Leben erfordert ein beständiges tätigSein: Aufmerksamkeit.

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Norderstedt, Montag, 09. Oktober 2017