Das urbane Wandern


Als ich in Hamburg lebte, gehörten regelmäßige Spaziergänge zu meinem Alltag. Ich lief die Elbe entlang vom Baumwall bis Teufelsbrück, bis Blankenese, und fuhr mit der S-Bahn zurück bis zum Bahnhof Stadthausbrücke. Ich durchquerte den Alten Botanischen Garten, die Wallanlagen, Planten un Blomen, den Jenischpark. Ich lief durch das Alstervorland oder erkundete die Hafencity. Ich behaupte, mich in der Innenstadt von Hamburg gut auszukennen. Ebenso kenne ich Altona, Eimsbüttel oder Winterhude, St. Pauli, St. Georg oder die Neustadt. Hamburg war meine Wahlheimat. Nicht ohne Grund nimmt die Perspektive meiner Romane Maß inmitten dieses urbanen Umfelds.

Alte Wallanlagen, Planten un Blomen

Mit dem Umzug nach Norderstedt hatte ich mich nach neunzehn Jahren neu zu orientieren. Das fiel mir nicht leicht, zumal Norderstedt auf den ersten Blick mit der Schönheit der Hansestadt nicht mithalten kann. Das bekam ich zu spüren, als ich zum ersten Mal die Tarpenbekniederung bis zum Ochsenzoll oder um den Stadtparksee lief. Ich vermisste die Vielzahl an Blumen, hohe Bäume, das Wasser, den Hafen.

Die Bezeichnung Das urbane Wandern wurde in der Not geboren. Ich erfand ihn für mich vor gut einem Jahr.

Meine Vorliebe für das Wandern entdeckte ich während meines Kuraufenthalts in Bad Tölz neu. Zurück in Norderstedt entschied ich, aus dem Wandern eine Gewohnheit werden zu lassen. Mit der Unterstützung meines Stadtplans suchte ich nach geeigneten Wegen durch die Stadt, Fußwege abseits der Hauptstraßen, Wege, die gut entlang zu wandern waren.

Kleingartenverein

Meine erste Wanderung führte mich durch die Tarpenbekniederung, ein Stück weit an der Tarpenbek entlang Richtung Flughafen. In Höhe Flughafen verließ ich den Bachlauf. Ich lief weiter bis Fuhlsbüttel, ein Stück an der Alster entlang bis zur Haltestelle Klein Borstel.

Alsterlauf

Auf meiner zweiten Wanderung erkundete ich den Bornbach. Ich folgte dem Bach von der Stelle aus, wo dieser in die Tarpenbek mündet, quer durch Langenhorn, durch schmale Waldstücke und Kleingartenvereine bis zur Haltestelle Kiwittsmoor.

Die dritte Wanderung startete an der Haltestelle Kiwittsmoor. Von dort ging ich den Bornbach weiter in Richtung seiner Quelle und lief am Raakmoorgraben zurück durch das Raakmoor zur Haltestelle Langenhorn-Nord.

Ich lief kaum an der Straße. Das war mir wichtig. Und auf diese Weise eroberte ich mir nach und nach ein weiteres grünes Stück Hamburg.

Alsterlauf

Den Alsterwanderweg lief ich inzwischen von Poppenbüttel bis zum Jungfernstieg. Ich erkundete die Wege an der U-Bahnlinie der U1 entlang von Ohlsdorf bis Norderstedt-Mitte. Meine Ziele bestehen darin, die Alster einmal von ihrer Quelle aus zu laufen, den Tarpenbekwanderweg bis Lattenkamp und die Saselbek von Poppenbüttel bis Volksdorf.

Schließlich entdeckte ich in diesem Jahr die Feldmark für mich. Auf diese Weise kam ich auch der Stadt Norderstedt näher, gewann ich ein Stück Heimat.

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Norderstedt, Freitag, 14. Juni 2019