Über das Glück – die Liebe

 

Exkurs: die Liebe

Das Glück im Ganzen. Wahrheit, Gerechtigkeit, das Gute … die Liebe. – Gelingt es, für all diese Begriffe je eine Formel zu finden?

In diesem Zusammenhang greife ich auf eine Passage aus meinem Roman “Mondsee Philomela” zurück, nämlich als Michael seine Lebensgefährtin Franziska fragt:

“Was kennzeichnet … die Liebe, die wir füreinander empfinden?“

Franziska denkt laut nach: „Lass mich mal überlegen. Moment. – Ich würde sagen, Freundschaft und Begehren, vom ersten Augenblick an. Meine Neugier, mein Interesse, aber auch meine Bewunderung und meine Wertschätzung für dich, für das, was du tust, und für das, was du willst, was du dir wünscht und was du von deinem Leben erwarten kannst. Deine aufrichtige Bescheidenheit, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Hinzu kommt unsere gemeinsame Vergangenheit, die Vielzahl an schönen Erinnerungen. Freude, Fröhlichkeit, Augenblicklichkeit. Ich liebe dich aufgrund der kleinen Aufmerksamkeiten, die du mir zuteil werden lässt. Wenn du am Morgen aufwachst und mich anlächelst, wenn du mir beim Anziehen zusiehst und ich immer noch deine Blicke auf meinem Körper spüre, als sähest du mich zum ersten Mal, als wolltest du mich sofort wieder ausziehen. Die Liebe, die ich dir zukommen lasse, erachtest du nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr als ein Geschenk, das ich dir täglich und immer wieder aufs Neue reiche. Nahezu jeden Tag bestätigst du mir in irgendeiner Weise, mich zu lieben, das empfinde ich als ganz wunderbar. Ich bin mir deiner Treue sicher, wie du mir vertrauen kannst. Ich fürchte nichts oder müsste mich ängstigen, dass du mich verletzen oder verlassen könntest. Ich schätze deine Offenheit, deine Zuverlässigkeit, natürlich schätze ich die kleinen Überraschungen und Geschenke. Was möchtest du hören? Liebe entwickelt sich. Der Alltag, die äußeren Umstände fordern die Liebe immer wieder aufs Neue heraus. Zu lieben bedeutet ebenso, dem Partner die ein oder andere Last abzunehmen, ihm zuzuhören, sofern dieser Kummer hat, oder ihn vom Druck seiner Sorgen zu befreien, ihn zu pflegen, sofern er krank ist. Zu lieben bedeutet für mich auch verzeihen zu können, die Versöhnung, obwohl wir uns gestritten hatten.“ – Mir schwindelt der Kopf, lausche ich den Worten, die Franziska nach einem kurzen Nachdenken aus ihrer Tasche zaubert und vor mir auf einem Tisch ausbreitet. – „Liebe ist vielseitig, facettenreich, Liebe und Glück sind Ereignisse, die man nicht mit Hilfe weniger Worte zusammenzufassen sind. Bei der Liebe handelt es sich um einen Oberbegriff. Hinter diesem verbirgt sich ein äußerst kompliziertes Geflecht vieler verschiedener Gefühle, Eigenschaften, die aufeinandertreffen und ineinander verwoben eine Gemeinsamkeit anstreben. Ich liebe unsere enge Zusammengehörigkeit, wie ich die Unabhängigkeit liebe, die Gleichberechtigung und den Mangel an Macht innerhalb unserer Beziehung, die Ausgewogenheit. Habe ich etwas vergessen?“ (…) “Ich blicke auf das Hier und Heute. Ein schöner Tag mit Liebe gefüllt, das ist für mich erstrebenswert.“

Wie die Liebe denke ich mir das Glück nicht magisch, nicht unerreichbar.

Manche Menschen erklären die Liebe zu einem heiligen Akt. Etwa, indem sie sich schwer tun, ihrem Partner ihre Liebe zu erklären, die Gefühle, die sie füreinander empfinden. Manche Menschen hingegen beschweren sich nicht, sagt man ihnen jeden Tag, sie zu lieben. Ganz im Gegenteil: Diese wenigen Worte, die gegenseitige Bestätigung, die beiderseitige Resonanz sorgt für ein beständiges Glücksempfinden in der Seele und trägt bei zu einem glücklichen Leben.

Eine Freundin erklärte mir einmal: Eine gut funktionierende Beziehung sei viel „Arbeit”. Ein glückliches Leben erfordert ein beständiges tätigSein: Aufmerksamkeit.

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Norderstedt, Montag, 09. Oktober 2017