Über das UnGlück


Im Grunde genommen bin ich glücklich. Aber: … –
Das Glück im Großen, das Glück im Kleinen. – Wir erinnern uns:

Sobald ein Persönlichkeitsanteil keine Entsprechung erfährt, keine Resonanz, lässt sich der ein oder andere – ungeachtet aller weiteren Persönlichkeitsanteile – unumstößlich zu der Aussage hinreißen, unglücklich zu sein. Alle weiteren, möglicherweise glückbringenden Momente, die zu dem Gelingen des eigenen Glücks ihren Beitrag leisten oder leisten könnten, lässt dieser oder jener unangetastet abseits, im Straßengraben verrotten.

Besteht demnach das Glück im Großen im allumfassenden Gelingen aller Persönlichkeitsanteile?

Oftmals nehme ich mein Unglück erst dann wahr, wenn irgendetwas nicht mehr stimmt, ich eine Dissonanz verspüre. Ebenso reagiere ich, wenn das Selbstverständliche, das bis dahin zum Gelingen meines glücklichen Lebens beitrug, nicht mehr seinen Beitrag leistet. Überraschende Abweichungen im Umgang mit Anderen zum Beispiel, die Störung des Gewohnten, meiner Gewohnheiten. Ungewollte Veränderungen im Alltag versperren dem Streben eines Vereinzelten möglicherweise den Weg. Ungerechtigkeit, Demütigung, Entwürdigung, der Statusverlust im privaten wie gesellschaftlichen Bereich sind Schläge für das Selbstbewusstsein. Mit dem Scheitern tritt der Betroffene, Unglückliche, an den gähnenden, schier nicht zu überwindenden Abgrund seiner Erwartungen, seiner Wünsche, seines Unvermögens. Ob nun selbstverschuldet oder auch nicht: Was tun? Welche Möglichkeiten, possibilities, kann ich gebrauchen, diesen, meinen Abgrund zu überwinden? Überhaupt? Habe ich das in der Hand?

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Norderstedt, Freitag, 21. Juni 2019